In 100 Jahren kaum mehr Kunststoffe auf fossiler Basis
Bio-Pionier Tecnaro verdoppelt Kapazität

Biokunststoffe sind auf dem Vormarsch. Tecnaro, Pionier auf dem Gebiet der Petrochemie-Substitute, forscht und entwickelt seit 1998 daran – mit Erfolg. Für die weitere Expansion wählte das Unternehmen eine Compoundier-Linie von KraussMaffei Berstorff.

Text Andreas Weseler  Fotos KraussMaffei Berstorff

"Wir haben mit Gebrauchtmaschinen begonnen, eine davon stammte von KraussMaffei Berstorff. Dies ist mit einer der Gründe dafür, dass wir uns jetzt wieder für eine Compoundieranlage aus Hannover entschieden haben“, sagt Jürgen Pfitzer, Geschäftsführer der Tecnaro GmbH im badischen Ilsfeld-Auenstein. Tecnaro steht für "Technologien für die industrielle Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in der Kunststoffverarbeitung“. Das Unternehmen war 1998 als Spin-off der Fraunhofer-Gesellschaft an den Start gegangen. 20 Jahre intensiver Beschäftigung mit dem anfangs noch eher exotischen Sujet haben reiche Früchte getragen: Heute kann der Spezialist für Biokunststoffe seinem weltweiten Kundenstamm ein breite Palette von mehr als 3500 Werkstoff-Rezepturen und Hunderte von Serienprodukten anbieten.

Helmut Nägele (l.) und Jürgen Pfitzer,
Helmut Nägele (l.) und Jürgen Pfitzer,
Geschäftsführer der Tecnaro GmbH, produzieren mit dem neuen Zweischneckenextruder ZE Basic zukunftsfähige Biokunststoffe.

"Das neue Plastik"

Die Gründer-Geschäftsführer Helmut Nägele und Jürgen Pfitzer sind davon überzeugt: Ihre Biopolymer-Compounds sind "das neue Plastik“. In 100 Jahren werde es kaum mehr Kunststoffe auf Basis fossiler Rohstoffe geben. Zu finden sind ihre Produkte in PC-Gehäusen ebenso wie in Kaffeekapseln, in Uhrengehäusen, Lebensmittel-Boxen, Schuhen, Brillen, Kleiderbügeln, Kopfhörern oder hoch belasteten Getreidemühlen. Kochlöffel aus Bio-Thermoplast, die selbst im siedenden Frittierfett nicht weich werden, illustrieren ebenfalls die Leistungs-Bandbreite der häufig maßgeschneiderten Biocompounds.

Sortiment umfasst drei Werkstoffgruppen

Die ligninbasierten Compounds unter dem Namen Arboform werden beispielsweise für Lautsprecher, Musikinstrumente, Spielwaren, Designobjekte oder Urnen eingesetzt. Lignin ist eine harzähnliche Bindesubstanz im Zellgefüge von Holz. Rund 50 Millionen t davon fallen jährlich als Nebenrpodukt in der Zellstoff-Industrie an – und werden noch überwiegend "verheizt“. Die wahlweise auch biologisch abbaubaren Rohstoffe der Arboblend-Serie – sie bestehen aus je nach Rezeptur unterschiedlichen Biopolymeren – haben ebenfalls ein breites Einsatzspektrum: Verpackungen, Bürobedarf, Haushaltswaren, Folien und andere, um nur einige Beispiele zu nennen. Die dritte Produktlinie Arbofill ist für Haushaltswaren, Verpackungen, technische Profile oder Stühle ebenfalls sehr gefragt. Hierbei handelt es sich um mit Naturmaterialien gefüllte Compounds auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Die Arbofill-Compounds sind speziell geeignet für die Verarbeitung im Spritzgießverfahren.

Der Zweischneckenextruder ZE Basic
Der Zweischneckenextruder ZE Basic
produziert neben Lignin-basierten Produkten auch Compounds aus natürlichen Produkten.

Kern der neuen Compoundier-Linie ist ein Zweischneckenextruder ZE Basic 62 mit einer Maximalleistung von 800 kg/h. Damit kann der 30 Mitarbeiter-Betrieb seine Produktionskapazität verdoppeln. "Für uns ist es sehr wichtig, dass wir unsere Rezepturen auf den neuen Extruder skalieren können, damit wir größere Mengen eines Compounds herstellen können“, erläutert Pfitzer. Für das breite Produktspektrum von Tecnaro ist die ZE Basic perfekt geeignet. Denn die Zweischneckenextruder der ZE Basic-Baureihe sind sehr vielfältig einsetzbar. 80 Prozent aller Aufgaben beim Plastifizieren, Füllen und Verstärken lassen sich mit einem solchen Modell ohne großen Umbauaufwand bewerkstelligen.